Beim Thema PageBuilder scheiden sich in der WordPress-Community die Geister: Für die einen ist der eigene Builder das Nonplusultra, für die anderen ein notwendiges Übel oder sogar Teufelszeug. Beide Lager haben gute Argumente, aber auch blinde Flecken. Dieser Artikel klärt, welche Kritikpunkte heute noch gelten, welche veraltet sind und woran du dein Werkzeug für die nächste Website festmachen kannst.
Die Frage ist nicht, ob PageBuilder gut oder schlecht sind, sondern ob das Werkzeug zum Projekt passt und zu der Person, die die Website später pflegt.
Was sind PageBuilder?
PageBuilder sind Werkzeuge, mit denen Websites visuell über eine Oberfläche gestaltet werden können, ganz ohne Kenntnisse in HTML, CSS, JavaScript oder PHP. Der Anwender setzt die gewünschte Darstellung per Mausklick um. Gerade technisch weniger versierten Menschen hilft das enorm, ihre Wünsche für die eigene Website umzusetzen. Das kann Kosten sparen und trotzdem zum Erfolg führen.
Die Auswahl ist groß, eine Übersicht findest du am Ende des Artikels. Auch der Block Editor (Gutenberg) gehört für mich dazu, denn er erfüllt denselben Zweck: Layouts ohne Code gestalten. Wenn ich ihn in diesem Artikel den klassischen PageBuildern gegenüberstelle, dann nur, weil er direkt zu WordPress gehört und nicht von einem externen Anbieter kommt.
Warum ich mitreden kann
Im Rahmen meiner Arbeit habe ich vor allem mit den PageBuildern Avada, Elementor und Gutenberg zu tun. Bei der Entwicklung von WordPress-Plugins hatte ich in den vergangenen Jahren außerdem die Gelegenheit, in viele weitere PageBuilder Einblick zu bekommen. So unterstütze ich bei den kommerziellen Plugins für Personio und Propstack 19 PageBuilder mit nativen Widgets. Auch meine kostenfreien Plugins threadi Now Pages und Einfache Sprache nutzen diese Möglichkeiten, wenn auch nur für jeweils 1 Widget. Um sie zu erstellen, musste ich mich mit jedem dieser Builder beschäftigen und ihn tatsächlich verwenden.
Reale Websites baue ich inzwischen primär mit Elementor und Gutenberg, bin jedoch durchaus auch offen für andere Lösungen. Ich bin also weder Fan noch Gegner eines bestimmten Builders, sondern sehe das Thema aus der Praxis.
Hassliebe in der WordPress-Welt
In der Diskussion geht es selten um richtig oder falsch, sondern um den passenden Einsatz. Je nach Projekt, Budget und Know-how kann mal der PageBuilder, mal der Block Editor und mal individueller Code die beste Wahl sein. Mein Grundsatz lautet deshalb:
Jedes Tool hat seine Daseinsberechtigung.
Das gilt bei PageBuildern ganz besonders. Damit das keine Floskel bleibt, schauen wir uns die gängigen Argumente beider Seiten an.
Die Skeptiker: Stimmt das heute noch?
„Zu viele Möglichkeiten“
Als Argument gegen PageBuilder wird ausgerechnet ihr eigentlicher Vorteil angeführt: die Vielfalt an Möglichkeiten. Man verliere den Überblick und komme mit so vielen Optionen zu keiner brauchbaren Website.
Ja, die Möglichkeiten sind vielfältig. Wer davon erschlagen wird, kann sich aber immer auf das konzentrieren, was im Moment relevant ist. Man muss nicht jedes Pixel einzeln setzen, denn vieles lässt sich den Automatismen überlassen, die PageBuilder inzwischen mitbringen.
„PageBuilder machen Websites langsam“
Die Ladezeit einer Website ist ein Kriterium für Google und andere Suchmaschinen, um zu bewerten, wie gut sie technisch aufgestellt ist. Vor einigen Jahren waren PageBuilder hier durchaus eine Bremse. Das hat sich geändert: Mit Elementor lassen sich heute ebenso schnelle Websites bauen wie ohne ihn. Geschwindigkeitsnachteile ergeben sich eher aus der Struktur der Website und den eingesetzten Plugins. Pauschal dem PageBuilder die Schuld zu geben, greift nicht mehr.
Anders sieht es bei der Ladezeit des Editors aus. Da haben manche PageBuilder auch heute noch Nachholbedarf. Wenn sie aber dabei helfen, eine Website gestalten zu können, ist das aus meiner Sicht lange kein K.-o.-Kriterium.
„Einmal PageBuilder, immer PageBuilder“
Früher war ein Wechsel des PageBuilders mit hohem Aufwand verbunden. Nicht selten endete es in einem über lange Zeit geplanten Relaunch. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz stimmt das so nicht mehr: KI unterstützt inzwischen sehr effektiv bei einem Wechsel. Daneben gibt es, wenn auch selten, Migrationstools. Manche PageBuilder wie Elementor ermöglichen es außerdem, zumindest die Inhalte zu übernehmen, wenn auch ohne Formatierungen. Das Argument, man komme nicht mehr weg, zählt deshalb nicht mehr in dieser Schärfe.
Die Überzeugten: „Du musst XY nutzen!“
Auch die andere Seite macht es sich manchmal zu einfach. Für meinen Geschmack stellen sich zu viele Menschen als Vertreter ihres bevorzugten PageBuilders hin. Fragt man sie, was man nutzen soll, kommt natürlich immer nur dieser eine in Frage. Ob er eine passende Lösung für den Fragesteller ist, wird in der Regel nicht hinterfragt.
Nicht jeder Mensch kann mit Elementor umgehen, nicht jeder mit Avada und auch nicht jeder mit Nimble. Das ist völlig normal. Gerade deshalb sollte man vermeiden, jemandem einen PageBuilder „aufzuquatschen“, den er vielleicht gar nicht bedienen kann. Gute Beratung beginnt bei der Person und dem Projekt, nicht beim Tool.
Entscheidungshilfe: Welches Werkzeug passt?
Statt nach dem „besten“ PageBuilder zu fragen, helfen ein paar konkrete Fragen weiter:
- Wer pflegt die Website später? Ein Team ohne technische Kenntnisse braucht eine Oberfläche, mit der es sicher zurechtkommt.
- Wie viel Individualität ist nötig? Für ein klar strukturiertes Design reicht oft der Block Editor, für sehr freie Layouts ist ein PageBuilder bequemer.
- Wie wichtig ist die Performance? Das ist weniger eine Frage des Builders als der Umsetzung, sollte aber von Anfang an mitgedacht werden.
- Welches Know-how ist vorhanden? Wer einen Builder bereits kennt, arbeitet damit meist schneller und besser als mit dem objektiv „moderneren“.
Wenn du diese Fragen ehrlich beantwortest, ergibt sich die Wahl oft von selbst.
Meine Sicht
Die verschiedenen Ansichten kann ich gut nachvollziehen. Viele sind in ihrer Bubble gefangen und kommen eben zu ihrer Meinung. Das Wunderbare ist, dass man heutzutage verschiedene Meinungen haben und ausleben kann. In der WordPress-Welt ist genau das zum Glück möglich.
Ich bin heute recht frei in der Entscheidung zwischen PageBuildern für eine Website. Bedingt durch meine Arbeitsumgebung kommt weiterhin primär Elementor zum Einsatz, aber auch der Block Editor findet bei verschiedenen Websites seinen Platz. Die Entscheidung treffe ich anhand der Fragen oben: Wer die Seite später pflegt, entscheidet bei mir meist mehr als jede technische Eigenschaft.
Übersicht: Beispiele für PageBuilder
- Avada
- Avia
- Beaver Builder
- Block Editor (aka Gutenberg)
- Bold Page Builder
- Breakdance
- Bricks
- Brizy
- Divi
- Elementor
- Fusion Page Builder
- Live Composer
- Nimble
- Oxygen
- SiteOrigin
- Themify
- VisualComposer
- WpBakery
- Zion Builder
Und keine Page Builder sind:
- GeneratePress, da es ein Theme ist, welches letztlich auch nur Blöcke nutzt.
- Kirki, da es Blöcke im Block Editor nutzt und eigene Blöcke ergänzt.
Übrigens: mit Divi 5 haben wir auch ein Chamäleon in der Liste der PageBuilder. Dieser PageBuilder nutzt selbst programmierte Blöcke. Siehe dazu mein Artikel: Divi 5 – ein enttäuschter Entwickler verzichtet