Möchte man für sein Projekt eine kommerzielle Software verwenden, werden für diese Nutzungslizenzen angeboten. Diese können unterschiedlich ausgestaltet sein, je nachdem wie der Anbieter der Software geschäftlich vorgehen möchte. Lifetime-Lizenzen gehören dabei aus meiner Sicht zu der respektlosesten Form von Lizenzen, die überhaupt zur Verfügung gestellt werden können. Warum das so ist, möchte ich hier kurz erläutern.
Disclaimer
Dieser Artikel repräsentiert meine eigene Meinung. Ihr könnt gerne dem nicht zustimmen und es anders sehen – die Meinungspluralität ist das wunderbare an dieser Welt :)
Was sind Lizenzen?
In Bezug auf Software sind Lizenzen rechtliche Vereinbarungen zwischen Herstellern und Nutzern, die festlegen, wie Software verwendet werden darf. Sie gewähren somit das Nutzungsrecht für die betreffende Software.
Es gibt unterschiedliche Lizenzmodelle für Software:
- Abonnements
- Netzwerklizenzen
- Volumenlizenzen
- Unbefristete Lizenzen
Im WordPress Repository wie auch z.B. bei den typo3 Extensions liegen Erweiterungen, die der GPL unterliegen. Diese Lizenz ermöglicht es dem Nutzer die Software zu verwenden, zu ändern und auch zu verbreiten. Es ist somit sehr frei in der Nutzung – ein Vorteil, den die Communities sehr zu schätzen wissen.
Kommerzielle Anbieter
Entwickler von Software müssen von etwas Leben. Ein mögliches Einkommen besteht darin, die selbst entwickelte Software zu verkaufen. Damit wird man zum kommerziellen Anbieter einer Software und muss sich entscheiden, wie man diese „an den Mann“ bringt.
Wie bei jedem Unternehmen gehört dazu ein Geschäftsmodell. Als kommerzieller Anbieter muss man u.a. selbst entscheiden, wie man mit der eigenen Tätigkeit Einnahmen generieren kann. In einer Welt der Marktwirtschaft ein völlig normales Vorgehen.
Entscheidungsfindung
Als kommerzieller Anbieter sollte man seine Software unter einem der o.g. Lizenzmodelle vermarkten. Hier gilt es zunächst selbst zu schauen, welchen monatlichen Umsatz man selbst benötigt, um weiterhin die Software anbieten und Anwender unterstützen zu können. Dann schaut man in den Markt und bewertet, wie groß das mögliche Umsatzvolumen ist.
Letzteres wird durch die Art der Software stark beeinflusst. Hat man ein Nieschenprodukt mit einer begrenzten Zielgruppe, ist das mögliche Umsatzvolumen nicht wirklich hoch. Stellt man eine Lösung für den breiten Markt bereit, kann das Umsatzvolumen schwindelerregend sein. Abhängig von diesen Möglichkeiten muss man einen Preis finden, den man für die Lizenz zur Nutzung der Software haben möchte.
Beispiel: Möchte man von monatlich 5.000 Euro Einkommen durch die Software leben, benötigt man einen Umsatz, der diese Höhe ermöglicht. Erreicht man diese nicht (oder nicht zeitnah genug bis Erspartes aufgebraucht ist), muss man das Projekt aufgeben, wodurch man gleichzeitig die Lösung nicht mehr anbieten kann.
Abhängig von diesen Faktoren, muss ein kommerzieller Anbieter sich für ein Lizenzmodell entscheiden. Im Bereich von WordPress und anderen CMS sind Abonnements weit verbreitet. Man verkauft eine zeitlich befristete Lizenz zur Nutzung der Software. Sobald diese rum ist, muss ein neuer Zeitraum durch den Nutzer gebucht werden. Dadurch erhält man ein regelmäßiges Einkommen durch die Nutzung der Software, die man erstellt hat.
Falsch abgebogen
Es gibt Dienstleister, die bieten unbefristete Lizenzen für ihre Software an. Diese werden auch gerne als Lifetime-Lizenz bezeichnet. Dieses Modell hat aus meiner Sicht gleich mehrere Probleme, weshalb ich ihre Verwendung als respektlos bezeichne.
Aus Sicht des Anbieters
Dieser hat sich aktiv für dieses Modell entschieden und geht damit direkt ein Risiko ein. Er verkauft Lizenzen für eine Software, die er theoretisch bis an sein Lebensende betreuen muss, ohne laufendes Einkommen. Die Nutzer zahlen einmal und nie wieder. Aber sie verlassen sich auf den Anbieter, dass er die Software laufend weiterentwickelt und bei Fragen zeitnah zur Verfügung steht. Und das für immer. Davon kann ein Anbieter nicht dauerhaft leben, es sei denn die Lifetime-Lizenz wird dennoch monatlich so oft gekauft, dass er davon Leben kann (was auch bei großen Märkten auf Dauer unwahrscheinlich ist).
Und ja, der Anbieter kann das durchaus auch aus gutem Willen anbieten. Aber er irrt sich hierbei gewaltig, denn er wird davon nicht dauerhaft leben können. Das ist respektlos gegenüber seinen Nutzern, denn er bietet eine Software an, die er perspektivisch gar nicht dauerhaft anbieten kann – so wie die Lifetime-Lizenz es eigentlich suggeriert.
Aus Sicht des Nutzers
Der Mensch ist ein Raubtier. Er greift gerne dort zu, wo er denkt begünstigt zu werden. Eine Anbieter mit Lifetime-Lizenz verkauft praktisch sein eigenes Leben an die Anwender ohne selbst davon etwas zu haben. Der Nutzer missbraucht somit mit dem Kauf einer Lifetime-Lizenz den guten Willen des irrlichternden Anbieters. Und genau das ist aus meiner Sicht respektlos gegenüber dem Anbieter.
Aber die machen das doch auch?
Microsoft verkauft seine Windows-Lizenzen als Lifetime-Lizenzen. Das Unternehmen ist hierfür aber auch groß genug, hat einen gigantischen Markt und ist auch in anderen Geschäftsfeldern tätig. „Lebenslang“ gilt hier jedoch nur bis zum nächsten großen Update (Windows 10 auf Windows 11), wodurch es nicht wirklich „lebenslang“ ist. Als „kleiner“ Entwickler einer Software muss man in anderen (kleineren) Dimensionen denken – nur weil Microsoft so etwas macht, kann man es selbst nicht auch machen.
Auch im WordPress-Bereich gibt es einige Anbieter mit Lifetime-Lizenzen. Diese fallen aus meiner Sicht nicht unbedingt mit guter Qualität und positiven Bewertungen auf. Wenn man bedenkt, dass denen durch Lifetime-Lizenzen das monatliche Einkommen fehlt (es sei denn sie haben jeden Monat einen entsprechend hohen Zuwachs an Neukunden), kann man sich das aber auch gut erklären.
Fazit
Aus meiner Sicht treffen bei Lifetime-Lizenzen Blindgänger aufeinander. Beide Seiten – Anbieter wie Nutzer – sind einander respektlos gegenüber und nutzen sich gegenseitig aus. Ich meide Lifetime-Lizenzen schon immer aus genau diesen Gründen. Vielleicht bin ich dafür einfach nicht Raubtier genug.